Small Ball – Big Win

Personell geschwächte Ulmer erkämpfen sich in Würzburg den 28. Saisonerfolg und bleiben nach dem 70:73 (30:36) Tabellenführer.

Shortcut ratiopharm ulm verteidigt seine Tabellenführung  und ringt aufopferungsvoll kämpfende Würzburger mit 70:73 nieder. Mit einem 10:0-Lauf im dritten Viertel und etwas Glück im Schlussviertel beendet ratiopharm ulm die Würzburger Heimspielserie. „Wir müssen uns nichts vormachen, das Spiel hätte genauso gut mit einem Würzburger Sieg enden können. Ich bin froh, dass es uns gelungen ist, das Spiel am Ende zu gewinnen“, so Head Coach Thorsten Leibenath. Ohne Da’Sean Butler, der sich beim Heimspiel gegen München an der Hand verletzt hatte, fehlte ratipharm ulm dabei ein nomineller Big Man. In die Presche sprang Chris Babb (1,96 Meter), der auf der für ihn ungewohnten Position des Power Forwards aushalf. Der Ulmer Frontcourt schrumpfte damit auf eine Durchschnittsgröße von 2,02 Meter. Doch auch Würzburg musste mit Kresimir Loncar (Mandelentzündung) auf seinen besten Big Man verzichte, so dass  in der ausverkauften s.Oliver Arena „Small Ball“ gespielt wurde. „Wir haben heute einige neue Sachen ausprobiert. So musste Chris viel auf der Vier spielen und Casey integriert werden“, so Topscorer Raymar Morgan (17 Punkte). 

Keystats Dank des deutlich gewonnen Rebound-Duells (35:28) konnte ratiopharm ulm seine unterdurchschnittliche Wurfquote (39,9 %) kompensieren. Insbesondere mit 12 Offensivrebounds – von denen allein 7 auf das Konto von Augustine Rubit gingen – sicherte sich der Tabellenführer immer wieder zweite Chancen. Eine weitere Strategie, das fehlende Wurfglück wettzumachen, war der Weg an die Freiwurflinie: während Rubit und Co. 20 von 25 Würfen vom „charity stripe“ versenkten, waren es bei den Gästen lediglich 7/14.

Spotlight Raymar Morgan meldete sich nach einer schwachen Wurfausbeute gegen München (5/14, 11 Pkt) mit 17 Punkten (6/13) in Würzburg zurück. Der effektivste Ulmer war allerdinge Augustine Rubit, der seinen 12 Rebounds auch noch 16 Punkte hinzufügte. Neben dem Debüt von Casey  Prather (4 Pkt, 3 Reb, 9:52 Min) war es der Positionswechsel von Chris Babb, der diesem Spiel einen Stempel aufdrückte. Durch Da’Sean Butlers Verletzung musste der Small Forward ungewohnt häufig auf der Position vier ran, was seine Quoten in den Keller trieb (4/11 3er), ihn aber nicht aus der Ruhe brachte: Sein Dreier zum 62:70 war ein ganz wichtiger.  

Play-by-Play

1. Viertel (8:15): Nach einem etwas holprigen Start und drei Fehlversuchen in 2:30 Minuten brachte Taylor Braun sein Team nach dem zweiten Ulmer Fastbreak in der 4. Minute mit 3:4 erstmals in Führung. Und dann legten die Gäste los: Nach dem dritten Ulmer Steal vollendete Raymar Morgan das Dreipunkt-Spiel von der Linie und erhöhte auf 3:10 (6.). Doch die Gäste konnten ihre Überlegenheit  nicht in Punkte ummünzen. Wenngleich die gute Ulmer Defensive Würzburg zu vielen Dreipunktewürfen zwang (2/12), kam offensiv kein Rhythmus auf. Als Karsten Tadda kurz vor Viertelende aus der Distanz zum 8:15 traf, war es der erste Ulmer Dreier – bei sieben Versuchen.

 2. Viertel (22:20): Auch in den zweiten zehn Minuten ging offensiv für ratiopahrm ulm nicht viel – was die Würzburger nutzten, die jetzt den Ball mehr unter den Korb brachten und auf 14:18 verkürzten. Und bei diesem Abstand blieb es auch (23:28, 17.). Wenngleich Babb von der ungewohnten Power-Forward-Position aus zwei Dreier versenkte, blieb Würzburg immer in Schlagdistanz. Was einerseits an einer nicht mehr ganz so griffigen Ulmer Defensive lag – die Würzburg im zweiten Durchgang 22 Zähler gestattete – und zum anderen an einigen „tough shots“ (Tadda), die die Gastgeber im 2. Viertel versenkten.

3. Viertel (25:26): Dann dauerte es lediglich 2:30 Minuten, ehe Würzburg durch einen Dreier von Lamonte Ulmer zum 37:37 ausglich. Ohne Per Günther, der kurz davor verletzt ausgewechselt wurde, hielten die Gäste zunächst dagegen und wurden in diese Phase von Augustine Rubit getragen, der sechs Zähler in Folge zum 43:47 markierte. Doch Würzburg hatten nun deutlich mehr Energie: Nach dem ersten Führungswechsel seit der 1. Minute (48:47) folgte ein Dreier durch Urgai und der größte Vorsprung der Gastgeber (52:47). Die Ulmer Antwort: Ein 10:0-Lauf, der durch einen Steal von Casey Prather und einen erneuten Ballgewinn von Morgan initiiert und von Braydon Hobbs aus der Distanz abgeschlossen wurde (52:57, 30.)

4. Viertel (15:12): Doch das Ulmer Momentum wollte nicht mit ins Schlussviertel wechseln. Nach fast vier punktlosen Minuten gelangen Würzburg die ersten Zähler des vierten Viertels (57:61). Nach einem technischen Foul gegen Dirk Bauermann war es dann Chris Babb, der mit einem Dreier für etwas Luft sorgte (57:65, 35.). Aber Würzburg blieb dran: Mit 3:10 Minuten zu spielen betrug der Ulmer Vorsprung nur noch 4 Punkte. Auch der vierte Dreier von Babb (62:70) brachte nicht die Vorentscheidung, denn Jake Odum brachte 50 Sekunden vor dem Ende den Ball beim Stand von 68:72 ins Spiel. Und Lamonte Ulmer verkürzte weiter: Bei noch 35 Sekunden auf der Uhr traf er zum 70:72, ehe der Ex-Ulmer Sebastian Betz 5,3 Sekunden vor dem Ende die Chance auf den Ausgleich vergab.

Quotes

Dirk Bauermann (Head Coach s.Oliver Würzburg): „Es waren Kleinigkeiten, die am Ende dazu geführt haben, dass wir uns für eine großartige Leistung nicht belohnen konnten. Trotz unseres ausgedünnten Kaders haben sich unsere Jungs in großartiger Weise reingehängt und auch nach einer sehr unglücklichen Niederlage in Gießen daran geglaubt, die stärkste Mannschaft der Liga schlagen zu können. Wir waren ja auch ganz nah dran.“

Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Wir müssen uns nichts vormachen, das Spiel hätte genauso gut mit einem Würzburger Sieg enden können. Ich bin froh, dass es uns gelungen ist, das Spiel am Ende zu gewinnen. Würzburg hat couragiert gespielt und nie aufgeben. Ein paar Offensivrebounds mehr für uns, gerade im letzten Viertel, haben den Ausschlag gegeben. Es ist auch kurios, dass wir als Sieger vom Platz gehen, obwohl Würzburg eine um 14 Prozent bessere Trefferquote und die bessere Effizienz hat. Es war keine Glanzleistung von uns, aber kämpferisch durchaus phasenweise ansprechend."

Good to know  Nach dem nächsten Gießener Coup  (78:61 vs. Oldenburg) und dem Ludwigsburger Zittersieg gegen Bremerhaven (81:78) sind Oldenburg (9.), Gießen (8.) und Ludwigsburg (7.) punktgleich. Vier Spieltage vor Start der Playoffs ist also noch längst nicht klar, gegen wen ratiopharm ulm am 6. Mai (17 Uhr) sein erstes Playoff-Heimspiel bestreitet.

Fotos Viktor Meshko

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