Mit Drama pur ins Halbfinale

ratiopharm ulm kämpft die MHP RIESEN Ludwigsburg im Viertelfinal-Entscheidungsspiel mit 91:81 (55:39) nieder und steht zum dritten Mal in Folge unter den besten vier Teams Deutschlands / Halbfinal-Auftakt am Sonntag (15 Uhr) in der ratiopharm arena gegen Oldenburg

Shortcut Zum fünften Mal in sechs Jahren steht ratiopharm ulm im Halbfinale der easyCredit BBL Playoffs! Doch das Team von Head Coach Leibenath musste vor 6.200 Zuschauern in der ratiopharm arena alles auf dem Parkett lassen, ehe die Semifinal-Qualifikation unter Dach und Fach war: Die über vier Spiele bereits so intensive Viertelfinal-Serie zwischen Ulm und Ludwigsburg gipfelte im „fünften Akt“ in einem Drama, in dem die MHP RIESEN nach zwei technischen Fouls gegen John Patrick noch vor der Halbzeit ihren Head Coach verloren. ratiopharm ulm nutzte Ludwigsburgs Emotionen, denen noch ein zwei weitere „Ts“ und ein Disqualifizierendes Foul gegen DJ Kennedy folgten, eiskalt zum 17:0-Lauf. Aber die daraus resultierende 68:44-Führung (24.) wackelte nochmal gewaltig – bis auf 6 Zähler kam Ludwigsburg nochmals heran (85:79, 38.). Doch Ulm machte den Halbfinal-Einzug zwar mit nur einem Treffer aus dem Feld, aber einer dafür umso konzentrierteren Verteidigung im 4. Viertel (9:15) perfekt. „Die Jungs haben gekämpft wie die Löwen“, so Thorsten Leibenath. Der Trainer des Jahres 2017 ist überzeugt: „Dieses Halbfinale haben wir uns verdient, obwohl es eine unglaublich harte Serie war, für die man Ludwigsburg nur gratulieren kann.“

Keystats Der Trip an die Freiwurflinie war die Basis des Ulmer Erfolgs. Mit 37 Versuchen (30 Treffer) schaffte es ratiopharm ulm 27 Mal mehr an den „Charity Stripe“ zu gelangen, als Ludwigsburg. „Die Offensivrebounds und die Anzahl der Freiwürfe waren in der Serie immer entscheidend“, analysierte dann auch RIESEN-Ersatzcoach Martin Schiller. Zwar gewannen die Gäste den Kampf um die offensiven Bretter (7/13), konnten daraus aber nur vier „Second Chance Points“ mehr als ratiopharm ulm generieren. Dass den Ulmern in der hitzigen zweiten Halbzeit 12 Ballverluste unterliefen, wurde von einer starken Verteidigung, die Ludwigburg im 4. Viertel lediglich 15 Punkte erlaubte, kompensiert.

Spotlight „Augustine hat heute eine überragende Leistung abgeliefert und ist meiner Meinung nach auf der Power Forward-Position nur ganz schwer zu verteidigen“, sagte Thorsten Leibenath zu der 23 Punkte, 5 Rebounds und 5 Assists Statline seiner Nummer 21. Rubit stellte die Ludwigsburger Verteidigung mit seiner Mischung aus Speed und Power vor unlösbare Problem und hatte defensiv auch großen Anteil daran, dass Jack Cooley für seine 14 Punkte 12 Versuche (5 Treffer aus dem Feld, 4/4 von der Linie) brauchte. Auch Chris Babb meldete sich nach seinen 9 Punkten in Spiel vier mit 16 Zählern und bärenstarken 9 Rebounds zurück. 

Play-by-Play

1. Viertel (24:20): Nachdem der größte Fanblock der Liga mit seiner Fahnen-Choreographie für einen stimmungsvollen Start gesorgt hatte, brachte Chris Babb die ratiopharm arena per Fastbreak-Dunk erstmals zum Beben. Das sich die 6.200 Zuschauer kaum beruhigen konnten, hatte dann erneut mit der Ulmer Verteidigung zu tun: 3 Turnovers der Gäste wandelte ratiopharm ulm in einen 7:0-Lauf zum 9:2 um, an dem Raymar Morgan mit 5 Punkten in Serie großen Anteil hatte. Nachdem der MVP seine Ausbeute auf 7 Zähler steigern konnte (13:6, 5.), brachte Toppert per Dreier einen Ludwigsburger 9:0-Run auf den Weg, der im 15:15-Ausgleich (8.) gipfelte. Doch Per Günther antwortete per Dreier eiskalt und half seiner Mannschaft so, die Drangphase zu überstehen und mit einer 24:20-Führung in die erste Viertelpause zu gehen.

2. Viertel (31:19): Da Ludwigsburg innerhalb drei Minuten die Teamfoul-Grenze überschritten hatte, gingen Karsten Tadda und Per Günther früh an die Linie und verteidigten die Führung (30:27, 14.). Doch wieder waren die Ludwigsburger Offensivrebounds die Achillesferse der Ulmer Defense: Nach dem 5. und 6. gesicherten Abpraller markierten Crawford und Cooley erneut den 32:31-Anschluss (15.). Doch Ulm kämpfte. Allen voran Augustine Rubit: Mit 14 Zählern im zweiten Viertel war der Big Man die sichere Bank unter den Körben und aus der Mitteldistanz, während Ray Morgan bereits sein 3. Foul hinnehmen musste (17.). Doch sein Center-Kollege ackerte wie verrückt und war hauptverantwortlich für den 12:4-Run, den Casey Prather per Dreier zur bislang höchsten Führung (47:39, 20.) abschloss. Nach einem normalen Foul von Per Günter acht Sekunden vor der Halbzeit sollte das Spiel eine neue Wendung nehmen. John Patricks Beschwerde beantworteten die Schiedsrichter mit einem Technischen Foul und nach dem zweiten „T“ sogar mit dem Hallenverweis. Während Hammonds ein weiteres „T“ kassierte, antwortete ratiopharm ulm cool (5/5 Freiwürfe), was Chris Babb per Dreier mit dem Pausen-Buzzer noch zu toppen wusste (55:39).

3. Viertel (27:27): Nachdem Ludwigsburg noch in der Halbzeit Protest eingelegt hatten, erhöhte ratiopharm ulm seinen Lauf auf viertelübergreifend 17 unbeantwortete Punkte (59:39, 22.). Doch dann standen zum zweiten Mal die Ludwigsburger Emotionen im Mittelpunkt: DJ Kennedy ärgerte sich über sein persönliches Foul so sehr, dass die Schiedsrichter ihn mit einem „T“ bedachten. Dass erregte den Ludwigsburger Serien-Topscorer so sehr, dass nach einem Ballwurf auf die Referees ein Disqualifizierendes Foul folgte. Und aus Ludwigsburgs Emotionen schlugen die Ulmer erneut Profit: 3 Babb-Freiwürfe und ein Rubit-Dreipunktspiel später stand die höchste Ulmer Führung auf der Anzeigetafel. Doch das 68:44 (24.) sollte für das nun von Assistenztrainer Martin Schiller gecoachte Team noch lange nicht den entscheidenden Punch bedeuten. Zwei Dreier von Hobbs und Babb (76:53, 26.) beantworteten die MHP RIESEN mit drei Dreiern (2 x Toppert, Trice) zum 80:64 (38.); den Schlusspunkt setzt aber Morgan mit seinen Punkten 12 und 13 (82:66).

4. Viertel (9:15): Und die druckvolle Ludwigsburger Verteidigung machte den Gastgebern auch zu Beginn des Schlussviertels Probleme – bis auf 2 Punkte durch Casey Prather blieb Ulm trotz teils gut herausgespielter Chancen über fünf Minuten ohne Zählbares, während Ludwigsburg von 3 weiteren Ballverlusten profitierte und die Ulmer Führung durch zwei Crawford-Dreier wieder in den einstelligen Bereich brachte (84:76, 36.). Dass die MHP Riesen die Ulmer nochmals zum Zittern brachten, war Raymar Morgan an der Linie anzumerken (2/4). Doch weil Ludwigsburg bis auf Toppert (3/3 Freiwürfe) seine Wurfchancen gegen die konzentrierte Defensive der Gastgeber vergab, lagen die Ulmer 1:31 Minuten vor dem Ende weiterhin mit 86:79 in Front. Nach einer Auszeit vergab Hammonds seinen Korbleger und die Ulmer erhöhten ihren Vorsprung dank der Freiwurf-Treffer von Braydon Hobbs (3/4) 20 Sekunden vor Schluss wieder auf 10 Punkte (89:79) und der Halbfinal-Einzug war perfekt.

Quotes

Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Wir führen teilweise mit 24 Punkten, aber in Ulm ist man ja ein bisschen Drama gewohnt und das haben wir heute den Zuschauern absolut geboten. Wenn der Vorsprung nicht so hoch gewesen wäre, wäre es womöglich noch einmal richtig eng geworden. Aber wir wollten unbedingt ins Halbfinale, da nehme ich der Mannschaft auch nicht übel, dass sie teils etwas nervös agierte. Wir haben uns im Schlussviertel Würfe erarbeitet, aber die sind alle nicht reingefallen. Zugleich darf man nicht vergessen, dass Ludwigsburg im vierten Viertel die wenigsten Punkte gemacht hat. Die Jungs haben gekämpft wie die Löwen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns dieses Halbfinale verdient haben, obwohl es eine unglaublich harte Serie war, für die man Ludwigsburg nur gratulieren kann.“

Martin Schiller (Assistant Coach MHP RIESEN Ludwigsburg): „Erst einmal Gratulation an Thorsten und seine Mannschaft. Es war eine hart umkämpfte Serie und die Ulmer können stolz sein, dass sie jetzt im Semifinale stehen. Wenn man jedes Spiel der Serie analysiert, dann fallen zwei Dinge auf: Jedes Mal gewann die Mannschaft, die mehr Offensivrebounds und mehr Freiwürfe für sich verbuchte. Ulm ist in beiden Statistiken Liga-weiter Leader. Wir haben den offensiven Rebound heute zwar gewonnen, aber wir haben ganz deutlich das Duell an der Freiwurflinie verloren. Das war der Schlüssel.“

Good to know Nach der kräftezehrenden Derby-Serie bleibt ratiopharm ulm nur wenig Zeit, um durchzuatmen: Schon am Sonntag (Tipoff: 15 Uhr) eröffnen die Ulmer die Runde der besten vier Teams Deutschlands mit dem Heimspiel gegen die EWE Baskets Oldenburg in der ratiopharm arena. Tickets für die Neuauflage des letztjährigen Viertelfinals (3-1 für Ulm) gibt es für BBU ’01-Mitglieder ab Freitag, 15 Uhr unter shop.bbu01.com. Dort kann man für nur 36 Euro pro Jahr auch seine Mitgliedschaft beantragen.

Fotos Florian Achberger

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