Entwicklungstrend trotz Niederlage

ratiopharm ulm unterliegt medi bayreuth mit 74:84 (41:41) zeigt sich dabei aber sowohl defensiv als auch spielerisch verbessert.

Shortcut Am Ende setzte sich das eingespielte Bayreuther Kollektiv dann doch deutlich durch. Deutlicher jedenfalls, als es dem Spielverlauf entsprach. Denn in einem „Kampf“, wie Bayreuths Raoul Korner die Partie beschrieb, lagen die Hausherren nach einer starken ersten Halbzeit (41:41) kurz vor dem Ende nur einen Dreier (70:73) vom letztjährigen Tabellenvierten entfernt. Doch in dieser Phase vergaben die sonst so treffsicheren Ulmer (10/22 Dreier) zwei Chancen aus der Distanz und mussten mit ansehen, wie die Oberfranken die Big Plays machten. „Am Ende hat dann die Mannschaft gewonnen, die als Kollektiv so eine Situation schon öfter erlebt hat“, so Korner. Thorsten Leibenath, der seiner Mannschaft eine „positive Entwicklung“ attestierte, sah den Unterschied vor allem im besseren Rebounding und im Inside-Spiele der Gäste. „Dass wir trotz besserer Trefferquote nicht gewinnen konnten, liegt daran, dass Bayreuth sich einige Possesions mehr durch zweite Chancen erkämpft hat“, so der Ulmer Head Coach. „Da fehlt uns ein Tim Ohlbrecht sehr.“

Keystats Mit 44 Punkten in der Zone (Ulm 26) und 15 offensiven Rebounds (Ulm 9) lässt sich das Bayreuther Übergewicht am Brett auch in Zahlen belegen. Nimmt man die 7 Ballverluste, die die Gäste weniger als Ulm (12) hatten, erklärt sich auch, warum Bayreuth 15 Würfe mehr bekam als ratiopharm ulm. Wer nach einem Indiz für die Bayreuther Eingespieltheit im Scouting sucht, wird bei den 25 Assists (Ulm 15) rasch fündig.

Spotlight Assem Marei ist dafür bekannt, am offensiven Brett sehr aktiv zu sein, hatte er in den ersten zwei Partien doch im Durschnitt vier Offensivrebounds abgegriffen. In Ulm setzte er mit sieben Offensivrebounds noch einen drauf. „Marei hat einen starken Job gemacht, wir haben gekämpft, aber wir konnten ihn nicht vom offensiven Brett weghalten“, so Leibenath, der in Luke Harangody (20 Punkte / 15 Rebounds) seinen effektivsten Spieler hatte. Traf Harangody in den ersten beiden Partien drei von neun Dreiern (33 Prozent), lag seine Quote gegen Bayreuth bei 43 Prozent (3/7).

Play-by-Play
1. Viertel (22:23): Wenn in den ersten zweieinhalb Minuten eines Spiels der Gegner zwei Fastbreaks durchbringt und man selbst zum Überschreiten der 24-Sekunden-Angriffszeit gezwungen wird, kann man von einem schwierigen Start sprechen (3:8). Wenn das Heim-Team zwei Minuten später dann zum 15:15 ausgleicht, spricht das einerseits für ein hohes Tempo und andererseits für die hohe  Ulmer Dreierquote (5/7 im 1. Viertel). Als Ryan Thompson Bayreuths Nate Linhart ebenfalls zur „24 seconds violation“ zwang, war ratiopharm ulm auch defensiv im Spiel angekommen. Die erste Ulmer Führung (20:19) besorgte schließlich Da‘Sean Buttler – natürlich aus der Distanz.

2. Viertel (19:18): Packt dann zu Beginn des zweiten Viertels die Ulmer Verteidigung so richtig zu, so dass Ismet Akpinar sein Team von der Freiwurflinie mit 28:24 in Führung bringen kann, ist der Gästetrainer zu einer Auszeit gezwungen. Wenn dann nach zwei starken Aktionen von Andreas Seiferth (30:28) Trey Lewis den Ball mit brachialer Gewalt durch den Ring donnert, passiert es, dass der Funke zwischen Team und Fans überspringt. Die Lautstärke in der Arena signalisierte das jedenfalls. „Es war eine tolle Unterstützung“, bedankt sich Coach Leibenath anschließend bei den Fans. Den Schlusspunkt hinter die bisher besten 20 Ulmer Minuten setzte allerdings der bärenstarke Gabe York (24 Punkte, 6/15 Dreier) aus der Distanz zum 41:41-Halbzeitstand. Dass Bayreuth innerhalb der Zone 16 Zähler mehr erzielt hatte, kompensierten die Gastgeber mit ihren Distanzwürfen (6/12).

3. Viertel (16:21): Der Start in die zweite Hälfte gelang den Ulmern dann wesentlich besser: Nach einem Günther-Dreier, den der Kapitän im Fallen abfeuerte, stand es jedenfalls 51:48 (24.). Doch dann kam ein Bruch ins Ulmer Angriffspiel, den Bayreuth mit einem 10:0-Lauf zum 51:58 bestrafte (28.). Nach vier korblosen Minuten antwortete ratiopharm ulm mit zwei Dreiern (Lewis, Harangody) und einem Lauf von 7 unbeantworteten Punkten (57:62).

4. Viertel (17:27): Ein hochklassiges Spiel nahm nun auch an Härte und Intensität zu – was zur Folge hatte, dass der bis dahin überragende Assem Marei (14 Punkte, 13 Rebounds) mit vier Fouls auf die Bank musste (31.). Doch auch ihren Anker in der Zone  konnten die Gäste ihren Vorsprung verteidigen (67:71, 35.). In einem Spiel, in dem ratiopharm ulm bis zu diesem Zeitpunkt recht gut auf den Ball aufgepasst hatte, wogen der 10. und 11 Turnover besonders schwer. Denn Bayreuth konnte sich vier Minuten vor dem Ende mit 67:73 absetzen. Zwei Ulmer Fehlversuche von der Dreierlinie, die den 73:73-Ausgleich bedeutet hätten, beantworteten die Gäste dann mit ihren Treffern aus der Distanz zum vorentscheidenden 70:79 (39.). „Beim Stand von 70:73 hatten wir die Chance, das Spiel zu gewinnen, aber die routiniertere Mannschaft hat dann die Big Plays gemacht und sich durchgesetzt“, so Leibenath.

Quotes

Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Wir haben es geschafft, von der kämpferischen Leistung her das Minimum zu erreichen, um in dieser Liga mitspielen zu können. Das haben die Zuschauer heute auch honoriert, es war eine tolle Unterstützung. Beim Stand von 70:73 hatten wir die Chance, das Spiel zu gewinnen, aber die routiniertere Mannschaft hat dann die Big Plays gemacht und sich durchgesetzt. Dass wir trotz besserer Trefferquote nicht gewinnen konnten, liegt daran, dass Bayreuth sich einige Possesions mehr durch zweite Chancen erkämpft hat. Marei hat einen starken Job gemacht, wir haben gekämpft, aber wir konnten ihn nicht vom offensiven Brett weghalten. Da fehlt uns ein Tim Ohlbrecht sehr. Auch die größere Anzahl an Ballverlusten hat letztlich den Unterschied gemacht.“

Raoul Korner (Head Coach medi bayreuth): „Es war ein Kampf und damit genau das, was wir erwartet haben. Wir wussten, dass Ulm nicht mit drei Niederlagen in die Saison starten wollte und entsprechend entschlossen sind sie gestartet. Wir wollten den Dreier besser verteidigen, was uns über weite Strecken nicht gelungen ist. Das war auch der Grund, warum wir uns nie entscheidend absetzen konnten. Aber wir haben unsere Optionen gesucht und konnten das erwartete Doppeln entsprechend bestrafen und die offenen Würfe finden.25 Assists sprechen eine deutliche Sprache. Am Ende hat dann die Mannschaft gewonnen, die als Kollektiv so eine Situation schon öfter erlebt hat. Die wichtigen Würfe, die am Anfang nicht reingehen wollten, sind am Ende gefallen.“

Good to know Basketball never sleeps – das trifft derzeit auf ratiopharm ulm so sehr zu wie selten. In den nächsten neun Tagen stehen fünf Spiele an. Weiter geht es in der ratiopharm arena schon am Dienstag (19.30 Uhr) mit der Eurocup-Premiere  gegen das türkische Bursa und dem Wiedersehen mit Raymar Morgan und Pierria Henry. Und nach einem Roadtrip nach Jena (Freitag, 20.30 Uhr) steht am Sonntag (15 Uhr) gleich das nächste Heimspiel gegen Göttingen auf dem Programm. Tickets für den Eurocup und das BBL-Spiel am Sonntag gibt es unter ratiopharmulm.com. 

Fotos Harry Langer

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